Kopfhalfter-Training

Infos zum Kopfhalfter für Hunde als pdf

„Führe den Kopf, und der Körper wird folgen!“ - Tipps zum Training mit dem Kopfhalfter

Das Problem: die meisten Hunde werden am Halsband oder an einem Brustgeschirr geführt. Das ist kein Problem, wenn sie gelernt haben, nicht an der Leine zu ziehen (oder der Halter kräftig genug ist).

Bei allen anderen Hunden kann die Leinenführung sehr leicht zu einem Problem werden, weil man sie ab einer gewissen Größe (bzw. Gewicht) nur unter großer Konzentration und beachtlichem Kraftaufwand halten kann, oder weil der Vierbeiner von Hustenanfällen geschüttelt wird, weil er kein Brustgeschirr mag und das Halsband den empfindlichen Kehlkopf quetscht.

Mit diesem Problem beschäftigte sich auch Dr. Roger Mugford aus England, studierter Psychologe und langjähriger Verhaltenstherapeut für Tiere, besonders Hunde (auch die Corgi-Meute der Queen landete schon auf seiner „Couch“). Und er fand eine ganz einfache Lösung: wenn man Pferde so bequem an einem Halfter führen konnte, warum sollten Hunde dann nicht einfach auch ein Halfter tragen? Oder hat schon mal jemand ein Pferd gesehen, das an einem Halsband (oder Brustgeschirr) geführt wurde?! Im Übrigen ist Dr. Mugfords Idee aber gar nicht neu: er selbst fand alte Bilder von Zughunden (große Hunderassen, die z.B. Milchkarren zogen), die vor dem Wagen fast immer ein Halfter trugen.

Das Prinzip: warum lassen sich Pferde oder Hunde so gut mit einem Halfter führen? Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: wie auch der Mensch (das kann jeder Trainer für Autofahr-Sicherheits-Kurse bestätigen) gehen Hunde oder Pferde meistens automatisch in die Richtung, in die sie gerade schauen. Und da man durch (sachten!) Zug am Halfter die Kopfstellung (und damit die Blickrichtung) des Tieres beeinflussen kann, kann man auch seine Bewegungsrichtung steuern.

Allerdings gibt es auch einen rein „mechanischen“ Vorteil: am Kopf kann ein Tier einfach nicht so viel Zugkraft entwickeln wie am Hals oder an der Brust.

Die Gewöhnung: die meisten Hunde sind zuerst ziemlich irritiert von diesem Ding am Kopf, weil sie es einfach nicht gewohnt sind. Auch ein Pferd, das nicht vom Fohlenalter an ans Halfter gewöhnt wurde, wird sich dagegen erst einmal wehren. Da das Tragen des Halfters für den Hund aber nicht unangenehm sein soll, muss man ihn langsam daran gewöhnen. Es gibt allerdings auch Hundetypen, die sich extrem schwer an ein Halfter gewöhnen können und für die es daher grundsätzlich nicht geeignet ist.

Phase 1: man legt das Halfter an, ohne den Hund anzuleinen. Viele Hunde tolerieren das noch sehr gut. Wenn nicht, soll der Hund das Halfter anfangs nur kurz und nur unter positiver Ablenkung tragen, z.B. beim Fressen, beim Spielen, bei einer Schmuseeinheit. Spätestens nach 2 Wochen sollte der Hund das Halfter aber für längere Zeit (mindestens 30min) dulden. Wehrt er sich noch immer dagegen, kann man ihm je nach individueller Persönlichkeit eventuell mit konsequentem Tadel zu verstehen geben, dass die Entscheidung pro oder contra Halfter beim Menschen liegt und er es einfach zu akzeptieren hat!

Phase 2: der Hund trägt das Halfter und wird angeleint, vorerst allerdings nur am normalen Halsband oder Brustgeschirr. Das müsste nach erfolgreich abgeschlossener Phase 1 aber problemlos klappen, deshalb wird die Leine nun außer am Halsband auch am Halfter befestigt (man braucht also eine Leine mit 2 Haken oder 2 Leinen). Trotzdem wird der Hund nach wie vor nur über das Halsband bzw. Brustgeschirr gehalten, das Stück Leine am Halfter soll locker durchhängen. Klappt auch das, geht’s weiter mit

Phase 3: der Hund wird über Halsband bzw. Brustgeschirr und Halfter geführt. Im Prinzip führt man ihn weiter nur am Halsband bzw. Brustgeschirr (die Halfter-Leine hängt durch), bei Bedarf (z.B. wenn der Hund zieht) wird er nun aber (sanft!) übers Halfter korrigiert.

Die Vorurteile: da das Halfter bei uns leider immer noch nicht allzu populär ist, existiert vor allem ein großes Vorurteil: das Halfter ist dasselbe wie ein Maulkorb, und sowas brauchen nur böse Hunde. Wer sich das Bild oben ansieht, erkennt schnell, dass das Halfter den Hund - solange er nicht zieht - nicht einschränkt. Er kann damit fressen, trinken, hecheln, einen Gegenstand tragen, bellen usw. und - wenn er wollte - sogar beißen. Mit entsprechender Aufmerksamkeit ist das Halfter zwar durchaus sehr gut für bissige Hunde geeignet, hat aber mit einem Maulkorb nicht das Geringste zu tun!

Übrigens: am besten erklärt man den Leuten, dass das Halfter ein Pferdehalfter für Hunde ist. Das ist kurz und präzise. Allerdings muss man schon damit rechnen, dass auf der Straße erst mal jeder an einen Maulkorb denkt, was ausgesprochen lästig werden kann. Man kann es aber „missionarisch“ sehen: je mehr Hunde ein Halfter tragen und je öfter man Passanten darüber aufklärt, desto bekannter wird es - und desto weniger oft mit einem Maulkorb verwechselt.

Ein weiteres Vorurteil ist die große Verletzungsgefahr. Tatsächlich kann man dem Hund mit einem Halfter - genauso übrigens mit Halsband oder falsch sitzendem Geschirr - auch schaden, allerdings nur bei falscher Handhabung. Man lässt einen Hund eben nicht mit voller Wucht am Ende einer 10-Meter-Leine ungebremst ins Halfter laufen, das wäre extrem ungesund für Nasenbein (Bruchgefahr!) und Wirbelsäule (Schleudertrauma!). Wenn man den Hund bei Bedarf jedes Mal sofort über Halfter korrigiert (sanft!), ist dies wesentlich schonender als ein schmales Halsband (oder gar Ketten- und andere Würger sowie Korallenhalsbänder und andere Folterwerkzeuge…).

Die Anwendungsbereiche: außer für schlecht leinenführige Hunde eignet sich das Halfter gut zum langsamen kontrollierten bei Fuß am Fahrrad laufen (größere Sicherheit!), zum gleichzeitigen sicheren Führen mehrerer großer Hunde, zur Kontrolle ängstlicher oder aggressiver Hunde, zur Förderung der Aufmerksamkeit bei der Erziehung bzw. Ausbildung (u.a. durch Herstellung von Blickkontakt) und ganz besonders zur Beruhigung unsicherer Hundeführer (weil sie mit Halfter keine Angst mehr davor haben brauchen, dass sie ihren Hund in kritischen Situationen nicht halten können – und wenn sie dadurch selbst ruhiger sind, überträgt sich das sofort wieder auf den Hund, der dann so gut wie automatisch ebenfalls ruhiger und entspannter wird).

Die Kopfhalfter-Varianten: Original Haltis gibt es in den Größen 0 (winzig) bis 5 (riesig) und in den Farben schwarz, braun, blau und rot (jeweils mit gepolstertem Nasenriemen), die Preise liegen je nach Größe und Ausführung zwischen 15 und 20 €. Sie werden hauptsächlich über Hundeschulen und verhaltenskundlich arbeitende Tierärzte o.ä. verkauft. Über den „normalen“ Tierfachhandel bekommt man in der Regel nur schwarze Standard-Halfter ohne Polsterung (qualitativ insgesamt weniger hochwertig), die sich v.a. zur ersten Eingewöhnungsphase eignen, sonst aber weniger zu empfehlen sind. Am besten geeignet für längeren Gebrauch sind maßgeschneiderte Kopfhalfter, siehe z.B. hier: www.wende-line.de (Kosten ca. 20 bis 25€).